Rezension „Wir waren keine Helden“ Candy Bukowski

„Wie war keine Helden“ von Candy Bukowski wird als Coming of Age Roman, zu deutsch Entwicklungs-Roman geschrieben, dabei ist er viel mehr.… Denn die wortgewaltige Geschichte der Autorin schickt seine Leser direkt in die Achtzigerjahre an den Arsch der Welt, wo Sugar und ihre Freunde groß werden….

Was bleibt von einem Leben,?
Welche Geschichten würdest Du von Dir selbst und Deiner bisher vergangenen Zeit, mit Mitte 40, erzählen?

Mein Haus, mein Mann, mein Kind, mein Leben.
Oder wäre es ein bunter Flickenteppich an Anekdoten, mit immer wieder sich kreuzenden Freunden/Bekannten und einigen wichtigen Eckpunkten?

Sugars Leben ist ein bunter Flickenteppich, gestartet in der Provinz, oder besser am Popo der Welt, wo der wichtigste Treffpunkt eine heruntergekommene Kneipe war. Dort traf man sich, oder besser sie sich mit ihren Freunden, lernte heimlich Autofahren im Wald und verlies, kaum volljährig geworden, dieses ländliche Idyll, in das sie nie so recht zu passen schien…

Sugar zählt in Ich-Form, wie das ist in der ländlichen Provinz, man sich in den ersten besten „richtigen“ Mann verliebt, mit ihm geht, um das Leben und Lieben zu lernen. Und dann sehr schnell feststellen, das es doch der falsche Kerl ist….

Immer wieder erfindet sich Sugar neu, korrigiert den Kurs ihres Lebensschiffs um in kleineren und größeren Häfen anzuhalten.
Chronologisch, doch mit Zeitsprüngen, nimmt sie einen mit, von 1982-2015, immer einen passenden Song, der nie zufällig ausgewählt, sondern immer ihre Stimmung und Laune widergibt.

Ihr Lebensweg war nie ein gerader Kurs, nie verfolgt sie ein festes Ziel, visiert keinen Ort an. Eher läßt sie sich vom Leben treiben und meist fällt ihr das Glück vor die Füße. Und wenn nicht, war/ist da ja immer Pete, der Punker aus Jugendtagen und platonischen Freund, der sie mehr als einmal rettet.
Wir sind alle Chamäleons, erfinden uns immer wieder neu, passen uns dem wechselnden Umgebungen, und den sich verändernden Bedingungen an.

Sprachlich auf den Punkt und sehr direkt im Ausdruck, braucht die Autorin keine historische Fixpunkte, Ereignisse um Stimmung der Zeit einzufangen.
Auch wörtliche Rede gibt es so gut wie nicht, und dennoch fehlt einem beim Lesen nichts.
Alles ist sehr authentisch und so direkt, dass einen schon nach ein paar Seiten fesselt, direkt unter die Haut geht und Sugar sich ins Herz des Lesers schleicht. Hallo hier bin ich, folge mir, begleite mich, durch all die Höhen und Tiefen, die so ein gelebtes Leben haben kann.
Nie kitschig ausgedacht oder konstruiert, sondern rein, echt und pur mit viel Gefühl.

Nie gibt es ein „früher war alles besser“, eher steht Sugar mit beiden Füßen im hier und jetzt. Nie scheint Sie auf der Suche nach dem Glück, oder dem Sinn ihres Lebens. Viel eher geht ihren Weg, egal welche Kurve oder Abzweigung kommt.

Man lacht, heult und hofft mit Sugar, als wäre sie eine Freundin oder Bekannte, die das alles erzählt, selten gibt es Bücher und Geschichten, die einen so direkt ins Herz treffen, unter die Haut kriechen und nachhallen.

Die Charaktere sind authentisch, wenn auch an verschiedenen Stellen etwas schwammig beschrieben. Ob zum Schutz der wahren Personen oder, dass der Leser sich sein eigenes Bild macht, Beides ist möglich, mir hat nichts gefehlt.

„Wir waren keine Helden“ klingt nach, wegen der Gefühle, der Welt und vor allem wegen Sugar, die sich vielleicht nicht als Heldin fühlt und doch eine ist.

Ein Buch, das, wenn man es einmal gefunden hat, gelesen, geliebt und wieder gelesen werden möchte.

Von mir gibt 5 Sterne.

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